Ersterwähnung

Die erste schriftliche Erwähnung Hettigenbeuerns fällt in das Jahr 1306. Grundherr war im hohen Mittelalter allein das Kloster Amorbach. Im Zuge der Neugründung der der Pfarrei vor 700 Jahren durch den Bischof von Würzburg wurde die Urkunde verfasst, die auf betreiben des Ritters Boppo von Amorbach Hettigenbeuern von Buchen löste und dem Kloster Amorbach zuordnete.

Kloster Amorbach

Bis ins Jahr 1806 entsandte Amorbach, nur vom 30jährigen Krieg unterbrochen - Mönche als Seelsorger nach Hettigenbeuern. Die Pfarrei gehörte zunächst zum Bistum Würzburg. Kurmainz besaß kirchliche wie politische Rechte im kleinen Odenwaldort. Durch den Austausch zwischen Würzburg und Mainz im Jahr 1656 gelangte Hettigenbeuern zum Erbistum Mainz und schließlich 1821 zum Erbistum Freiburg. Mit der Gründung der Pfarrei wurde eine Kirche innerhalb des ummauerten Friedhofs gebaut. Nach mehreren Umbauten und Renovierungen genügte sie dann 1903 nicht mehr den Anforderungen einer wachsenden Gemeinde und wurde von der neugotischen einschiffigen Bauwerk außerhalb des Friedhofs ersetzt.

Im Mittelalter

Lange bevor Hettigenbeuern in Schriftwerken aus dem Dunkel der Geschichte tritt, siedelten und arbeiteten Menschen in diesem Abschnitt des Morretals. Werkplätze von Steinmetzen lassen sich in den Wäldern bei Hettigenbeuern entdecken. Vermutlich wurden bereits vom 9. bis in das 12. Jahrhundert oberflächennah anstehende Blöcke des Felssandsteins zu Ausfuhrartikeln verarbeitet. Auf dem sog. Burgbuckel sind die Überreste einer Wallanlage zu erkennen, die mit der überwiegend aus Holz gebauten "Burg" nicht zuletzt zum Schutz und zur Verteidigung des mittelalterlichen Steinabbaus dienten.

Die Vogtsherren

Ein weiteres markantes Zeugnis der Hettigenbeuerer Geschichte ist der dreigeschossige Wohnturm mit Walmdach, der sogenannte Götzenturm. Auf einer Aufschüttung direkt an der Morre war er als Wasserburg angelegt. Errichtet wurde die "Veste" um 1347von den Vogtsherren des Dorfes. Dies waren die von Adelsheim, die ihre Rechte zu Hettigenbeuern 1347 nach einer unglücklich verlaufenen Fehde dem Hochstift Würzburg zu Lehen auftragen mussten. In den Jahren 1440/45 erwarben die von Berlichingen die eine, im Jahr 1570 auch die andere Hälfte des Besitzes in Hettigenbeuern und hatten diese inne bis zur Mediatisierung durch das Großherzogtum Baden im Jahr 1806.

Strukturwandel

Hettigenbeuern war seit dem ausgehenden Mittelalter von der Landwirtschaft geprägt. Es entwickelten sich zwei haufendorfartige Siedlungskerne beiderseits der Morre. Neben markanten dreiseitigen Bauernhöfen prägten Tabakscheunen weit über ein Jahrhundert das Ortsbild. Durch Einheirat einer Frau aus der Rheinebene im Jahr 1858 gelangte der Tabakanbau in das klimatisch begünstigte Morretal. Der Tabak wurde zu einer wichtigen Einnahmequelle der heimischen Haupt- und Nebenerwerbslandwirte, bis er im Jahr 2000 aufgegeben wurde. Heute ist Hettigenbeuern in erster Linie Wohngemeinde.

Einst beliebter Erholungsort

Bereits in den fünfziger Jahren war Hettigenbeuern als Erholungsort beliebt. Die reizvolle Landschaft, ausgedehnte Wanderwege und das gesellige Dorfleben bieten den Urlaubern Abstand vom Alltag.. Im früheren Kurhaus Dietrich gingen einst Gäste aus umliegenden Ballungsgebieten, dem Ruhrgebiet und aus Berlin gern ein und aus. Das Schlosscafé Meixner, das Gasthaus Engel und der Landgasthof Löwen waren über Jahrzehnte beliebte Gastgeber für kürzere und längere Aufenthalte. Zahlreiche Gäste